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Auf der Gefängnis-Insel Robben Island

Geschrieben am 02.04.2016

Heute besuchen wir Robben Island, eine Insel 12 Kilometer von Cape Town entfernt. Der Name stammt von den Holländern, die diese zuerst entdeckten. Nach einer wilden Überfahrt erreichen wir die Insel, auf der viele Jahre ein Gefängnis betrieben wurde, das heute ein Museum ist. Hier treffen wir Peter. Er ist ein ehemaliger politischer Gefangener, der 13 Jahre hier eingesperrt war. Inzwischen führt er Besuchergruppen über das Gelände. Uns erzählt er Geschichten aus dem Gefangenenalltag. So bekam man am Tag der Ankunft eine Karte, auf der man seinen Namen, das Geburtsdatum eintragen und Fingerabdrücke abgeben musste. Drei Monate Einzelhaft mit nur einer Mahlzeit am Tag, das war die Strafe bei einem Verlust der Karte. Im Censors Office des ehemaligen Gefängnis wurden Briefe abgefangen, welche aus dem Gefängnis rein und raus kamen, erzählt Peter weiter. So wurden auch Briefe gelesen die die Gefangenen geschrieben hatten. Denn man durfte keine Namen der weiteren Insassen in den Briefen erwähnen, sonst drohten Strafen. Auch wurden die Briefe oft geändert, da wurde unter anderen der Frau eines Gefangenen geschrieben, dass ihr Mann im Gefängnis eine neue Frau kennen gelernt habe und er diese heiraten wolle.
Bis zu einer Überprüfung der Lebensumstände durch die UNO, hatten die Gefangenen nur kurze Hosen, kurze Hemden und Sandalen als Gefängniskleidung – im Sommer wie im Winter. Die Gefangenen schliefen dazu nur auf dünnen Matten auf dem Boden. Meist war auch alles nass, viele litten an Krankheiten wie Tuberkulose oder Lungenentzündung. Dann sehen wir auch den Zellentrakt in welchem der berühmteste Insasse 18 Jahre seines Lebens verbrachte. Nelson Mandela war hier in einer Zelle eingesperrt, die so klein war, dass man sie mit drei Schritten durchschreiten konnte. Die letzten Jahren seiner Haftzeit verbachte der ehemalige Präsident Südafrikas im Drakenstein-Gefängnis und zuletzt unter Hausarrest in seinem Haus. Insgesamt 27 Jahre hat Nelson Mandela in Gefangeschaft verbracht. Diese Zahl oder die Geschichte eines anderen politischen Gefangenen, der sechs Jahre in Einzelhaft verbrachte, später an Lungenkrebs erkrankte und diesem auch erlag, lösen bei uns eine beklemmende Stimmung aus. Peter selbst hat offenbar seinen Frieden mit seiner Gefangenschaft gemacht. Groll habe er nach seiner Entlassung nicht gehegt, die Sorge vor der Zukunft habe ihn viel mehr beschäftigt. Die Arbeit im Gefängnismuseum habe ihm dagegen geholfen, seine Angst vor einer erneuten Inhaftierung zu überwinden. Am Ende der Führung verlassen wir das Gelände durch ein Tor, das durch Stacheldrahtverhaue umrahmt ist. Von diesem Moment, der die Freiheit bedeutete, hatten Peter, Nelson Mandela und seine Mitgafangenen viele Jahre geträumt.

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